Zum Inhalt springen
30.07.2020

„Überraschungen sind keine Überraschung“ – Domsanierung liegt im Plan

Eichstätt. (pde) – „Immer wieder gibt es Überraschungen – aber das ist keine Überraschung, sondern liegt in der Natur der Sache“, meint Gerhard Lang aus Petersbuch, derzeit als Zimmermann am Eichstätter Dom tätig. Er ist damit beschäftigt, den Dachstuhl zwischen Querhaus und Langhaus zu erneuern.

Gerhard Lang (links) und Klaus Hacker

Gerhard Lang (links) und Klaus Hacker im Dachstuhl des Eichstätter Doms . pde-Foto: Maike Stark

Zimmerer beim Einpassen eines neuen Balkens

Zimmerer beim Einpassen eines neuen Balkens im Dachstuhl des Eichstätter Doms. pde-Foto: Maike Stark

Das Langhaus des Eichstätter Doms

Das Langhaus des Eichstätter Doms ist derzeit eine Großbaustelle. pde-Foto: Maike Stark

Eichstätt. (pde) – „Immer wieder gibt es Überraschungen – aber das ist keine Überraschung, sondern liegt in der Natur der Sache“, meint Gerhard Lang aus Petersbuch, derzeit als Zimmermann am Eichstätter Dom tätig. Er ist damit beschäftigt, den Dachstuhl zwischen Querhaus und Langhaus zu erneuern. Durch mehrere Umbauten in der Geschichte der Kathedrale sei dieser doch ziemlich abgesunken und in Schräglage. Mit Anhebearbeiten versuche man, den gesamten Dachstuhl neu auszurichten. Dazu muss das Dach teilweise abgedeckt werden, um die Last auf dem Dachstuhl zu verringern. Danach erfolge eine Untersuchung nach Schäden, etwa aufgrund von nässebedingter Fäulnis an den jahrhundertealten Balken. Das beschädigte Holz wird durch neues Holz ersetzt, etwa in dem neue Balken an- oder eingeleimt werden.

Architekt Hermann Keim, Planer und Bauleiter, ergänzt: „Zunächst einmal sind wir froh, dass wir zwei regionale mittelständige Zimmererfirmen haben, die auch in der Denkmalpflege erfahren sind und gut arbeiten.“ Neben der Zimmerei Lang ist das noch die Zimmerei Beyer aus Heidenheim, welche die teils verborgenen Schäden finden und beheben müssen. Insgesamt liege man dabei im Zeitplan, wobei noch viele Unwägbarkeit zu berücksichtigen seien. Der aktuelle Bauabschnitt werde sich noch mindestens bis ins nächste Jahr hineinziehen, wobei das natürlich auch stark vom Wetter im kommenden Winter abhänge, so Keim. Man könne zwar unter den Schutzdächern auch im Winter weiterarbeiten, aber wenn es zu frostig werden sollte, dann müssten die Arbeiten ruhen. Keim berichtet von einigen Überraschungen, die bereits aufgetaucht sind und mithelfen, die Baugeschichte des Eichstätter Domes besser zu verstehen. So fand man als Überreste früherer Dachdeckungen Schieferfragmente und sogenannte Zwicktaschen. Letztere sind eine regionale Besonderheit: Dünne Kalksteinplättchen aus den Steinbrüchen der Umgebung werden mit der Zange zugeschnitten und dann auf das Dach gelegt, das früher eine viel flachere Neigung hatte als heute.

Beim aktuellen Bauabschnitt gehe es in erster Linie um das Dachtragwerk und die Gewölberippen im inneren des Domes, wie Klaus Hacker betont, der die statische Betreuung der Baustelle übernommen hat. Die ältesten Teile des Langhauses sind über 600 Jahre alt, wobei einzelne Teile des Dachstuhls, etwa die Seitenschiffdächer, wesentlich jünger sind. Eine Herausforderung ist es nach seinen Worten deshalb auch, „fehlerhafte Reparaturen früherer Jahrhunderte in funktionsfähige Konstruktionen umzuwandeln“.

Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeiten sind die Gewölberippen aus Kalk. Sie haben Risse, die auch gefährlich werden könnten. Nicht gerade erleichternd ist dabei der Umstand, dass für die Bauarbeiten keine Kräne am Domplatz aufgestellt werden können. Der Boden dort ist nicht tragfähig genug. Die archäologischen Schichten im Untergrund würden den Bau entsprechender Fundamente nicht erlauben. Alle Materialien müssen deshalb mit kleinen Aufzügen hochgefahren werden und im Gebäude mit der Hand transportiert werden, „ganz wie in der Erbauungszeit des Domes, im Mittelalter“, so Hacker.

Der Eichstätter Dom ist derzeit wegen der Sanierungsmaßnahmen komplett geschlossen. Im April 2019 wurde die Sanierung des Westchors (Willibaldschor) begonnen und mittlerweile abgeschlossen. Von 2020 bis 2021 steht die Sanierung des Langhauses und des Querschiffs an. Für das Jahr 2022 ist die Restaurierung des Ostchors vorgesehen, für 2023 die Türme mit der Kapitelsakristei. Architekt Hermann Keim betont: „In den letzten 50 Jahren wurde der Dom zwar gepflegt, aber nicht renoviert. Ein großer Kundendienst ist jetzt einfach mal fällig.“

Eine aktuelles Video von der Sanierungsmaßnahmen und eine Bildergalerie finden sich unter www.eichstaetter-dom.de.

Gottesdienste im Dom

Wegen der Domsanierung finden bis voraussichtlich Mitte 2022 keine Gottesdienste im Dom statt. Weitere Infos.

Alle Gottesdienste werden bis auf weiteres in der Schutzengelkirche am Leonrodplatz gefeiert. 

Domsanierung

Seit April 2019 laufen umfassende Sanierungsmaßnahmen im Eichstätter Dom. Nähere Informationen.